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9/11: Medien schuld am weltweiten Trauma (Archiv)
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11. September 2001: Bilder, die die Welt nie vergisst (Foto: Wikimedia Commons) |
Archiviert: 11.08.2010 Die Anschläge vom 11. September 2001 ("9/11") haben weltweit ein Trauma hinterlassen, das den Medien anzukreiden ist.
Diese These vertritt der Chemnitzer Anglist und Psychologe Marcel Hartwig. Er analysierte elf Hollywood-Filme, die das Terrorattentat auf das New Yorker World Trade Center sowie den Angriff Japans auf die US-Marinestation Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 thematisieren. "Beide Ereignisse wurden von der US-Politik durch die Medien instrumentalisiert", so der Experte.
Als Zeichen für ein nicht überwundenes Trauma sieht Hartwig das Phänomen der Blitzlichterinnerung. "Ähnlich wie früher bei der Radiomeldung von Pearl Harbour oder beim Mord von John F. Kennedy weiß heute noch jeder wo er war, als das Fernsehen die Bilder von 9/11 zeigte. Diese Aufnahmen rufen noch immer heftige Emotionen hervor und sind so wichtig, dass sie Hollywood später stets authentisch mit der CNN-Übertragung wiedergab. Man kann sie nicht nachstellen", so Hartwig. Ohne Medien wäre der 11. September kein globales Ereignis geworden.
Zerstörung statt Opfer
Dass beide Ereignisse verdrängt statt aufgearbeitet wurden, geht für Hartwig auf gezielte Auswahl der Bilder zurück. 2001 gab es zwar Menschen auf den Dächern, Tote zeigte man aber nie und auch die Überlebenden wurden rasch aus Manhattan herausgeholt. "9/11 ist die Geschichte von Türmen statt von Opfern", so der Experte. Das sei Ausdruck für "Wir sind zwar verletzt, aber eigene Opfer sind nicht zu sehen." Einzig das Katastrophendrama "Flug 93" (United 93) zeigt Passagiere des Fluges, der sich gegen die Kidnapper zur Wehr setzte. "Wir halten zusammen im Kampf für ein höheres Gut", interpretiert Hartwig.
Es überrascht nicht, dass die Medienmacher im staatlich kontrollierten Kriegskino nach Pearl Harbour derart mit den Regierungsabsichten kooperierten. Thema wurde der Vorfall damals erst, als im Krieg bei den Midway-Inseln eine Wende zugunsten der USA einsetzte. "Die Filme über 9/11 wurden vom Pentagon beraten und mitfinanziert. Die von Europäern gewünschte kritische Distanz war für US-Bürger weniger wichtig." Michael Moore, der mit "Fahrenheit 9/11" eine extreme Gegenposition einnahm, büßte hingegen Glaubwürdigkeit ein, indem er stark polarisierte und durch Verallgemeinerungen verzerrte.
Mythen und große Sprüche
Beide Ereignisse werden im Film zudem durch ähnliche Mythen erzählt. "Der wichtigste Mythos ist der des Phönix, der sich aus der Asche erhebt. Der durch einen Anschlag angezettelte Krieg ist ein guter Krieg, und die USA sind auserkoren, die Situation mit starker Hand zu lenken", fasst Hartwig zusammen. Weiters gibt es jedoch stets die Betonung der Zusammenarbeit vieler Ethnien - 1941 durch den Schwarzen Matrosen Doris Miller verkörpert - sowie gleiche Slogans. "Nach dem US-spanischen Krieg war der Ausruf 'Remember the Maine!' geflügelt, später 'Remember Pearl Harbour' und schließlich George W. Bushs 'The world will always remember september 11'."
mred, 28.07.2010
Thema: Gegenöffentlichkeit
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